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FloBêr – ,,SoWeit“ (2020)

Veröffentlicht am 20. November 2020 von Alina
© Christian Reister

Am 23. Oktober brachte die Berliner Band FloBêr ihr zweites Album ,,SoWeit“ unter das Volk. Mit fünfzehn Tracks und einem Bonustitel haben wir hier eine lange Platte mit herrlich viel Vielfalt vor uns. Da stolpere ich auch über mein wohl einziges Problem. Wo fange ich an?
Bei all den feinen Arrangements mit hörbarer Liebe für Details
oder doch bei den Melodien, die jetzt mietfrei in meinen Ohren wohnen? Es gibt so viel zu sagen.

 

Einer der Gründe für diese Vielfalt ist der Mix der Genres, denn hier treffen Gypsyswing, Tango Einflüsse, ein bisschen Jazz und Liedermacher mit Folk zusammen. Von Spielmannszugs Mentalität bis feinfühlig elegante Liedermachermeisterwerke ist alles dabei und zwischen durch sorgen die swingigen Dynamiken noch für mächtig viel Tanzwut.
Besungen werden hier, in zuweilen wirklich guten Harmonien, Emotionen, Erlebnisse, aber auch die manchmal nicht gleich ersichtliche Magie von vermeintlichen Kleinigkeiten.
Generell zeigt sich schnell: FloBêr haben ein wahnsinnig gutes Gefühl für musikalische Details, die vielleicht nicht unbedingt beim ersten Hören auffallen, aber im Zusammenwirken nicht nur atmosphärisch viel ausmachen, sondern für ein grandioses Klangbild wirken. Von dem (zu dem Text passenden) Flaschenklingklang im Opener bis zu den feinen Flagoeletts in ,,Zikaden im Wind‘‘ gibt es wahnsinnig viel mit den Ohren zu entdecken.

Es ist zudem immer wieder aufs neue schön zu hören, dass es einigen Bands gelingt deutschen Folk in Verbindung mit Liedermachering nicht nur zu erhalten, sondern immer wieder mit eigener Note zu neuem Leben erwecken.

 

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„FloBêr – Hallo“ direkt öffnen


Die Platte beginnt mit einem swingigen ,,Hallo‘‘ und
einem Text, der schnell ins Ohr geht und nicht zu tanzen oder zumindest im Takt zu wippen wird zur Herausforderung. Fixe und frische Klänge halten sich bis in etwa die Mitte des Werkes, doch werden dann zunehmend von ruhigeren Titeln abgelöst.
Besonders berührt der Titel ,,So weit‘‘. Wer Musiker ist oder weiß, wie es ist diese zu begleiten, wird sich zusammen mit Erinnerungen und Emotionen schnell in diesem Lied wiederfinden können. Eine Hommage an das Leben als Musiker, das Reisen und Ankommen auf Bühnen zusammen mit einem Gefühl, das sich eigentlich nur schwer beschreiben lässt, wird hier in knapp dreieinhalb Minuten großartig in Worte gefasst.

Besonders berührt der Titel ,,So weit‘‘. Wer Musiker ist oder weiß, wie es ist diese zu begleiten, wird sich zusammen mit Erinnerungen und Emotionen schnell in diesem Lied wiederfinden können. Eine Hommage an das Leben als Musiker, das Reisen und Ankommen auf Bühnen zusammen mit einem Gefühl, das sich eigentlich nur schwer beschreiben lässt, wird hier in knapp dreieinhalb Minuten großartig in Worte gefasst.

Nebst absolut folkigen Liedern wie ,,Wir sind der Folk‘‘ und ,,Die Braut‘‘ stehen ruhigere Lieder in einem ausgewogenen Kontrast und sorgt manches Mal für eine Überraschung, aber ohne dabei wie ein zu starker Stilbruch zu wirken. So lässt zum Beispiel Titel dreizehn den Hörer die Ohren spitzen, sobald der Bass nach den ersten Takten einsetzt und Akkordeon und Piano sich wunderbar mit attraktiven Jazz Motiven zu ergänzen wissen. Gefolgt von einem souveränen Gitarrensolo, ergibt sich ein ganz wunderbares Klangbild. Ein Feel-good Stück, das Jessica Rabbit lächeln lassen würde, ohne Grund. Ruhig geht es auch dem Ende entgegen. Mit dem offiziell letzten Stück der Platte ,,Kleine Dinge‘‘ findet das Album einen wahnsinnig schönen Ausklang mit viel Wertschätzung für die kleinen Dinge im Leben und lässt etwas nachsinnen, bevor der Bonustrack für einen amüsanten und endgültigen Abschluss sorgt.

Die vier Jungs von FloBêr haben mit ihrem Silberling voll von Eigenwerken ein rund um volles und vielseitiges Juwel erschaffen, auf das sie stolz sein können. SoWeit gehört zu den Alben, die alles haben und dabei mit Witz, Charme und musikalischer Raffinesse zu bewegen weiß und definitiv Lust auf mehr macht.
Ein Album zum Verlieben und behalten.

Meine persönliche Nemesis: ,,Hallo‘‘. Wenn schon der Opener derart mitreißend ist, dass man ihn mindestens 57-mal ohne aufkommende Langeweile hören kann, wird so eine Rezension schon mal zu einer kleinen, aber schönen Ewigkeit.

FloBêr sind:
Andreas Albrecht
– Gesang, Schlagwerk, Klavier, Melodika
Bernard P Bielmann – Gesang, Akkordeon
Florian Krämer – Gesang, Gitarre, Kontrabass, Violine, Ukulele
Christian Lutz – Gesang, Kontrabass, Bass-Ukulele, Cello, Gitarre

Anspielempfehlungen: Hallo, Irgendwas ist immer, So weit, Kleine Dinge

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Titelliste:

01. Hallo
02. Der Tag
03.Wir sind der Folk
04. Schön
05. Immer dasselbe
06. Berg und Prophet
07. So weit
08. Irgendwas ist immer
09. Der Wald
10. Zikaden im Wind
11. Pangäa
12. Die Braut
13. Ohne Grund
14. Heitere Ode an den Tod/ Skynnies Tune
15. Kleine Dinge

Bonustrack
16. Hau weg den Dreck

Dieser Artikel wurde in „Allgemein, Rezension“ mit den Schlagwörtern Andreas Albrecht, Berlin, Bernard P Bielmann, Christian Lutz, FloBêr, Florian Krämer, Liedermacher, SoWeit von Alina veröffentlicht. Der Autor allein ist für den Inhalt verantwortlich. Lesezeichen setzen.
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