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Im Gespräch: Doc Taylor and The Redhaired Girl über „Around The Irish Sea“

Veröffentlicht am 29. Juli 2022 von Emanuel Winkler

Die beiden Multiinstrumentalisten Nico Schneider (Seldom Sober Company) und Tim Liebert (Folk Destille Jena) sind vor allem mit der Band HüSCH! eine feste Instanz in Sachen Folk in Mitteldeutschland. Vor kurzem haben sie sich mit der walisischen Geigerin Jenny Price zusammengetan, die seit einigen Jahren in Jena lebt. Mit drei charismatischen Stimmen und einer Fülle an Instrumenten (Banjo, Waldzither, Gitarre, Akkordeon, Whistles, Mundharmonikas und Geige) geht es auf eine virtuose und höchst unterhaltsame Reise rund um die Irische See. Stationen sind Wales, Schottland, England, Irland und die Bretagne. Von dort haben die Musiker neben feurigen Tanzmelodien, Shanties, Auswanderer-Songs auch handfeste Kneipenlieder und sogar walisische Balladen über bunte Schafe und deprimierte Hausfrauen mitgebracht. Mit viel musikalischer Raffinesse und überbordender Spielfreude wird daraus eine mitreißende Folk-Collage gewoben, die in unseren Breiten sicherlich ihresgleichen sucht.

In einem schriftlichen Interview stand uns Tim Liebert stellvertretend für Doc Taylor and The Redhaired Girl zu ihrer aktuellen Veröffentlichung Rede und Antwort:

Wie kam die Zusammenarbeit zwischen euch Zustande?

Nico und ich kennen uns schon ewig und spielen ja auch schon bei verschiedenen Projekten (Hüsch, Bluegrass Session Band) zusammen. Vor ca. 8 Jahren haben wir das Duo Doc Taylor gegründet, um unserer gemeinsamen Vorliebe für Shanties, Old Time Americana und Dubliners Klassiker zu frönen. Das ging ganz gut los und hat uns sehr viel Freude bereitet. Irgendwann kamen Anfragen für größere Auftritte und wir dachten, es wäre gut, sich dafür etwas zu vergrößern. Zu dieser Zeit ist Jenny in Jena zu Sessions aufgetaucht und es hat musikalisch und menschlich sofort gepaßt. Zudem brachte Jenny mit ihrem walisischen Background eine Facette mit, die wir beide großartig und faszinierend fanden. So kam das red-haired Girl an Bord.

Was könnt ihr uns hinsichtlich der Entstehung der Songs für „Around The Irish Sea“ erzählen? Gab es ein vorgelagertes Konzept? Was war euer Antrieb hinsichtlich der Auswahl der Stücke?

Das Konzept ist eher so passiert. Wir stellten irgendwann fest, dass ein Großteil der Stücke, die wir live gern spielen aus Regionen an der irischen See stammen. Zusätzlich dazu Shanties. Da lag es ja auf der Hand das konsequent weiterzudenken. In der Folge sammelten wir dann bewußt Stücken die zu diesem Konzept passen. Auch selbst verfasste Lieder wie „Ship in the Harbour“ sind hier sicher einzuordnen. Da ist schon viel irische Seeluft mit dran auch wenn es eher nach Schweden gehört.

Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit zwischen euch dreien?

Sehr entspannt. Keine Probe beginnt, ohne dass Jenny etwas Selbstgebackenes auf den Tisch stellt. Dann wird musiziert. Jeder bringt ein Lied oder Instrumental mit, das er/sie mag. Nico kommt meist mit schmissigen Shanties und Jenny logischerweise mit Sachen aus Wales. Die heißen dann etwa „Ymgyrch-Don Y Waunlwyd“. Es wird aber auch zunehmend an Selbstverfaßtem gefeilt. Da wir viele Sessions zusammen gespielt haben, kennen wir sehr viele Instrumentals mit denen wir die Lieder gern garnieren.

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Welche Rolle nimmt „Around The Irish Sea“ in eurem Gesamtwerk ein?

Für die Band ist es ja das Debüt und daher logischerweise was ganz Besonderes. Für mich persönlich ist es die zehnte Scheibe an der ich produktionstechnisch direkt beteiligt bin. Also auch sowas wie ein Jubiläum. Eigentlich sind meine letzten Produktionen ja alle in meiner Muttersprache, was mir sehr wichtig ist. Nochmal zu den anglophilen Wurzel zurückzukommen hatte vor allem mit der Bandkonstellation zu tun. Ich bin seit Jahren Fan walisischer Musik, speziell von Ar Log und fand es daher toll sowas aufzunehmen. Zudem ist das eine der freundlichsten Kapellen in der ich je gespielt habe. Wir sitzen viel zusammen und musizieren für uns. So hat auch die Produktion dieser CD in Isolationszeiten begonnen. Wir dachten, wenn wir schon hier sitzen und spielen, können wir das auch aufnehmen. Es ist alles in Beulbar bei Nico entstanden in einer traumhaften Umgebung. Ich glaube, das hört man der Scheibe auch an. Schöne Musik ohne Druck. Das ist schon Besonders.

Gibt es weiterführende Pläne, wird es Konzerte zum Album geben, sofern es die Situation zulässt?

Wir hatten ja schon ein tolles Release-Konzert mit fast 500 Leuten in Nicos AmVieh-Theater in Beulbar bei wundervollem Sommerwetter und einer anschließenden Session bis zum Sonnenaufgang. Das Booking für nächstes Jahr läuft gut. Dieses Jahr gibt es noch ein paar Konzerte, wobei wir unter anderem in Nicos Heimatort Zella Mehlis und in meinem Heimatort Tanna gastieren. Da sollte nächstes Jahr mal Wales auf dem Programm stehen.

Fühlt euch frei, alles zu ergänzen, was euch hinsichtlich des Albums oder eurer Arbeit als Musiker wichtig erscheint.

Wie mehrfach betont, habe ich selten eine CD unter derartig relaxten Bedingungen mitproduziert. Daher ein dickes Danke an alle Beteiligten, Mitmusiker, Alex für Mixen und Mastern und den Jungs von Prosodia (Max und Ronny) für die finale Abwicklung. Viel Spaß beim Hören.

Wir bedanken uns für das Interview und empfehlen euch „Around The Irish Sea“ sehr herzlich!

 

Dieser Artikel wurde in „Interview“ mit den Schlagwörtern Around The Irish Sea, celtic, Doc Taylor, Folk, HüSCH!, Irish, Jenny Price, Nico Schneider, Tim Liebert von Emanuel Winkler veröffentlicht. Der Autor allein ist für den Inhalt verantwortlich. Lesezeichen setzen.
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