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Dennis B. Markheim – Man sieht sich … (2018)

Veröffentlicht am 2. September 2018 von Folkaholix
Man sieht sich ...
Man sieht sich …

„Seit ich 1997 damit begann Musik zu machen, war es mein Traum, einmal ein richtiges Album zu veröffentlichen. Keine Proberaumaufnahme auf einem selbstgebrannten Rohling, nein, ein richtiges Album mit zwölf Titeln aus den ersten aktiven Jahren seit 2015. Gleichzeitig soll der Album-Titel „Man sieht sich“ ankündigen, dass da noch mehr kommen wird.“ – so Markheim zu seinem Debüt vom 21.09.2018. Ein Debüt? Nicht so recht. Denn mit „Wie sehr …“ (2014), „Projekt: ANNA ODA“ (2016) und „Weil ich ein Hippie bin“ (2017) hat der Oderbruchler bereits drei Kurz-Alben veröffentlicht. Ein Debüt? Ja, denn mit dem aktuellen 12-Titler präsentiert Markheim seinen ersten Silberling in Albumlänge.

Auf einer Länge von 45 Minuten offenbart der Vielinstrumentalist eine Form von Best-Of und Selbstzeugnis aus den Jahren seines solistischen Schaffens. Nicht selten pervertieren emotionale Selbstauskünfte zum Klischee oder zum Kitsch. Beides durchaus probate Formen kreativen Schaffens. Aber doch etwas schal in ihrem Wirken. Die Herren von AnnenMayKantereit reihen diffuse Textphrasen aneinander. Herr Poisel wird nicht müde, sich selbst leid zu tun oder die unerhörte Leichtigkeit des Seins zu besingen – und auch Clueso verliert sich zunehmend. Und allenthalben jubelt das Publikum: „Damit können wir uns total gut identifizieren.“ Womit eigentlich? Mit Phrasen, die so allgemein sind, dass sie auf jeden zutreffen könnten? Oder mit den individuellen und unentwirrbaren Metaphern süßlich-metaphorisch, barfüßiger Langhaariger? Identifikation? Pustekuchen? Phrasenmäher, bitte. Oder ehrliches Selbstbekenntnis, dass Seichtes einfach gut bekömmlich ist.

Und Markheim? Er eröffnet sein Album mit Etwas verlogen – mit schrammelnd-angemessener Gitarre und einer Töne schmierenden Geige. „Du machst dir selbst etwas vor / um dich vorm Scheitern zu schützen.“ – ist dem so? Markheims Texte offenbaren Erkenntnisse über sich und seine Welten. Wer also lediglich hören mag, dass da ein Sänger über sich singt, kann das so handhaben. Hörer, die mehr erwarten, dürften sich im Detail entdecken. Erkenntnis kann sein. Muss aber nicht. „Du greifst nach den Sternen, / doch der Himmel straft dich mit Blitzen. […] Jeder ist doch etwas verlogen.“ Und so konstatiert Markheim, was der Fall ist. Klagt nicht an. Verurteilt nicht. Er besingt emotional Sachliches und konterkariert sich in diesem Modus selbst. Dass der Musiker aus den Gestaden des Folk stammt, ist dem Folgetitel Der Regen am Fiddle-Stil gut anzumerken.

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„Dennis B. Markheim – Wie sehr (Piano)“ direkt öffnen

Wie sehr ist eines meiner Lieblingslieder des Oderbruchlers. Fünf Minuten lässt sich das Lied Zeit, die Melancholie mit Piano und trauerndem Sangesduktus zu zeichnen, ehe die Trauer in eine Form des Trotzens umschlägt. Heißt es eingangs noch:

Ich denke immer nur an dich.
Lass meine Gedanken kreisen.
Sie kreisen immer nur um dich.
Ich würd‘ dir gern beweisen,
wie sehr ich dich lieb‘, wie sehr ich dich vermiss –
Dass du immer in meinem Herzen bist.

Das klingt nach AnnenMayKantereit’scher Schmalspurlyrik. Doch Markheim bricht das Klischee:

Irgendwann, dann schau‘ ich nicht mehr zurück.
Dann vergesse ich dich – Stück für Stück.

Eine erfrischend realistische Pointe. Traurig. Real. Tief.

In Gemüsegarten wird Dresden besungen. In Zeiten wie diesen ist es umso erfrischender etwas Erbauliches über diese wundervolle Elbstadt zu hören. Bei Kind, Frau & Bier kommt endlich die Ukulele zu Ton und drängt die besungene Monotonie konsequent in das musikalische Gemüt.

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„Dennis B. Markheim – Kind Frau & Bier (offizielles Video)“ direkt öffnen

Und so kreiert Markheim einen Einblick in seine Welt, der gleichermaßen ein subjektiver Einblick als auch objektiver Ausblick auf die großen und kleinen Themen des Menschengeschlechts sind. Warum aber werden AnnenMayKantereit noch gelobt? Ich weiß es nicht. Markheim präsentiert ein Kleinod, das sich vom Einheitsbrei nivellierter Sinnlosigkeiten einer sich selbst schulterklopfenden „Alternativ“-Szene deutlich abgrenzt, Selbstgenügsamkeit unter Vermeidung von Maximalismen lebt und vor allem eines ist: Eine kreative Entscheidung, die sich nicht permanent in ihrer Andersartigkeit selbst loben muss, sondern es unkommentiert ist. Chapeau!

Titelliste

  1. Etwas verlogen
  2. Der Regen
  3. Wie sehr (Piano)
  4. Gemüsegarten
  5. Kind, Frau & Bier
  6. Kaffeduscht
  7. Anna Oda
  8. Tritt nochmal nach
  9. Weil ich ein Hippie bin
  10. Ein weiterer Tag
  11. Man sieht sich …
  12. An meiner Seite

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Dieser Artikel wurde in „Rezension“ mit den Schlagwörtern AnnenMayKantereit, Clueso, Dennis B. Markheim, Man sieht sich ..., philipp Poisel, Projekt: Anna Oda, Weil ich ein Hippie bin, Wie sehr ... von Folkaholix veröffentlicht. Der Autor allein ist für den Inhalt verantwortlich. Lesezeichen setzen.
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