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Schnaps im Silbersee – Synapsensilvester

Veröffentlicht am 12. Juli 2018 von Alina

Dass Schnaps im Silbersee Wortakrobaten sind, ist bekannt, doch wer gut aufpasst, dem wird schnell auffallen, wie viel Genie hinter ihren Texten steckt. Hier wird nicht nur palavert und wenn, dann ganz schön gehaltvoll.

 

Schnaps im Silbersee – Albumcover ,,Synapsensilvester“

Mit dreizehn Titeln und rund vierzig Minuten Spielzeit schaffen es die Berliner Musiker mit ihrem neusten Album ,,Synapsensilvester‘‘, nicht nur gefühlt jeden Musikstil, sondern auch viele Themen auf den Tisch zu bringen.
Die Arrangements des Trios sind dynamisch, ausgeklügelt und sehr vielseitig, doch dabei nicht zu überladen. Hier ein Stilelement aus dem Jazz, da ein paar Tangoklänge und dann wird es swingig oder auch mal rockig. Kaum ein Genre wird ausgelassen, so kann man von Liedern wie ,,Piep‘‘ behaupten, es sei Ska, Reggae und Folk. So dürfte der Versuch die Schnäpse in nur eine musikalische Schublade zu stecken beinahe unmöglich sein, auch wenn man behaupten könnte, dass die Basis des betitelten Musiversums an dieser Stelle Liedermaching ist und bleibt. Was hier nach einem bunten Chaos klingen mag, ist so fein arrangiert und sauber vertont, dass es für den Hörer ein wunderbares Hörerlebnis ergibt.

 

Lied-Kabarett oder doch schon Satire?
Sei es, dass den eigenen Sorgen und Depressionen eine lange Nase gezogen wird, positiver Sexismus besungen und über den eloquenten Penner philosophiert wird – die Wortjongleure sprechen Themen an, die der ein oder andere Künstler sicher als unangenehm empfindet und umgeht. Eben diese verpacken die zwei Herren und die Dame der Band charmant und regen zum Nachdenken an. Dabei bleibt es nicht aus, dass man sich als Spezies Mensch auch mal erwischt fühlt, doch dabei laut und herzhaft lachen kann.
Und dann wäre da ist da noch die Sache mit dem Apfelsaft, aber das ist eine andere Geschichte.

 

Die Entwicklung der Musiker im Vergleich zum vorherigen Album hörbar. Mehr Witz, noch mehr Gehalt und eine Vielzahl musikalischer Einflüsse.
Die Arrangements sind größer und komplexer und nebst Gitarre und Geige kommen auch Bass und Schlagzeug deutlich mehr zum Einsatz und erschaffen ein volles Klangbild. Mit ihren Stimmen weiß das Trio ebenso gut umzugehen, wie mit ihren Instrumenten, so sind mehrstimmige Passagen stets ein Vergnügen.

 

Mit kleinen Einlagen namhafter Kollegen kann man unter anderem Götz Widmann, Liederjan, Dieter Wischmeyer, Ernstgemeint und Roland Hemmo in der ein oder anderen Sequenz hören. So überrascht auch mal ein Kinderchor, der in Stuhlkreis-Manier brav mitsingt.

 

Erlesene Worte, clevere Spielerein und starke Metaphern.
Synapsensilvester brilliert durch eine unfassbare Vielfalt, feinstem Humor und Talent.
Summa summarum ist der Silberling ein kleines Meisterwerk, das unbedingt gehört werden will. Ein Album für Freunde der intelligenten Wortspielerein, des anspruchsvollen Witzes, aber auch des charmanten Blödsinns gepaart mit aufregender Musik, die zum Lachen, Tanzen und Schmunzeln anregt.
Kurzum: eine Scheibe für Groß und Klein mit lebenslanger Weiterbildungsgarantie.

Unsere Anspielempfehlungen: Auf den Versen, Sag morgens nie, Wildgänsehaut

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Titelliste:

01. Auf den Versen
02. Zickiger Optimismus
03. Krisenherd
04. Sarah und Peter
05. Sag morgens nie
06. Individuum Umdividuum
07. Hoj
08. Piep
09. Apfelsaft
10. Eloquenter Penner
11. Muse
12. Wildgänsehaut
13. 3.2

Dieser Artikel wurde in „Allgemein, Rezension“ mit den Schlagwörtern Liedermacher, Liedermaching, Musik aus Berlin, Sag morgens nie, Schnaps im Silbersee, Synapsensilvester, Weltmusik, Wildgänsehaut von Alina veröffentlicht. Der Autor allein ist für den Inhalt verantwortlich. Lesezeichen setzen.
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