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Nachtcafé – Uomini e no (2015)

Veröffentlicht am 25. Juni 2015 von Cera Herbst

Nachtcafé_Uomini_e_no_Cover-ArtworkLieder über Männer gibt es viele. Ad hoc fallen mir einige ein. Bekannte und weniger bekannte, Hymnen und welche mit ironisch oder philosophisch verpackten Lebensweisheiten. Das Konzept der sechs-köpfigen Band Nachtcafé aus Bozen bietet auf dem aktuellen Album „Uomini e no“ gleich neun davon. Übersetzen lässt sich der Albumtitel mit „Männer/Menschen und auch nicht“. Ein Album über Männer also, denn, so meint Sänger Gabriele Muscolino: „Unsere heutige Welt redet zwar über Frauen, ist aber chauvinistisch geblieben“.

Die Gruppe mit dem deutschen Bandnamen schreibt und präsentiert ihre männlichen Geschichten auf Italienisch, vermischt dabei Elemente aus der Volksmusik verschiedener Herkunft und gibt ihnen einen musikalischen Rahmen, der sich am besten im Genre des Liedermacher, World- und Folk-Jazz eingruppieren lässt.
Inhaltlich handelt es sich dabei um Geschichten verschiedener realer oder fiktiver männlicher Figuren aus Gegenwart und Vergangenheit, wobei sich das Interesse des Songschreibers und Motor der Band Gabriele Muscolino an Klassikern der Weltliteratur nicht verleugnen lässt.

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„Nachtcafé – „Fuori“: Acoustic Sessions [1]“ direkt öffnen

So gibt es Politisches in L´uomo che ride, für deren Titel „Der Lachende Mann“ von Victor Hugo Pate stand. Wobei sich der lachende Mann hier allerdings auf die Genration von italienischen korrupten Unternehmen bezieht, die imstande sind, über alles zu lachen und sich damit ihrer Skrupel entledigen.
Wie passend, dass sich als Gegenpart in den Geschichten dann auch in Avventure di un idiota eine Anlehnung an Dostojewskis „Der Idiot“ wiederfindet und die Grundidee, dass ein gütiger Mann für die moderne Welt ein Idiot sei, dabei in so wunderbarer Weise mit Stimme, Rhythmus und Instrumentierung umgestzt ist, dass man gar nicht anders kann, als innezuhalten.

Kriminelles in Ballata del cacciatore crudele (Die Ballade des boshaften Jaegers), Nachdenkliches in Corri straniero (Lauf, Fremder!), Ironisches in Un misatropo (Ein Menschenfeind), Abenteuer in Starbuck (Dem Bootsmann in Moby Dick) und Hoffnungsvolles in Il vuoto dopo il salto – alles verpackt in einem perfekten Zusammenspiel von Stimme, Akkordeon, Querflöte, Bouzouki, Klavier, Kontrabass und Schlagzeug.

Nach Ihrem Debütalbum Nachtcafé (2010) ist es nach fünf Jahren das zweite Album der Band. Realisiert wurde die Produktion durch Crowdfunding und bietet neben einem Ghost-Track auch als eines der wenigen Alben in Italien, eine „Mastered for Itunes“ Zertifizierung, in der Musik genau so klingt, wie Künstler und Toningenieur es tatsächlich wollten.

Uomini e no steht also ohne Zweifel nicht nur für ein Album in hoher Klangqualität und großer Tiefe, sondern bietet allen Musikliebhabern und Kenner der italienischen Sprache, die mehr als nur nebenbei unterhalten werden sollen, ein Fest kognitiver Sinne: einnehmend, emotional und nachhaltig. Die Nichtitaliener unter uns lassen sich einfach von der warmen weichen Stimme Gabrieles in ein Nachtcafé entführen und genießen in einer geschützten Ecke mit dem passenden Getränk den Zauber italienischer Sprache. Wer dabei den letzten Ton versonnen nachklingen lässt, wird am Ende noch mit Il cono dómbra (Der Kegelschatten) belohnt. Der einzige Song, der nicht direkt von Männern handelt, viel mehr Improvisation und Live-Elemente enthält und deswegen wohl auch im „Schatten steht“. Ein passender Abschluss für ein großartiges Album und eines roten Fadens, der lediglich an einigen wenigen Stellen etwas mehr Tempo hätte haben dürfen.

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Titelliste:

  1. Uomini e no
  2. L´uomo che ride
  3. Balata del cacciatore crudele
  4. Non è un segreto
  5. Adventure di un idiota
  6. Corri straniero
  7. Un misatropo
  8. Il vouto dopo il salto
  9. Starbuk

Homepage | Facebook

 

Dieser Artikel wurde in „Rezension“ mit den Schlagwörtern Bozen, Francesco Brazzo, Gabriele Muscolino, Georg Malfertheiner, Marco Stagni, Matteo Facchin, Nachcafé, Pietro Berlanda, Uomini e no von Cera Herbst veröffentlicht. Der Autor allein ist für den Inhalt verantwortlich. Lesezeichen setzen.
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