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Schëppe Siwen – Sprëtztour (2018)

Veröffentlicht am 26. November 2018 von Folkaholix
Schëppe Siwen – Sprëtztour (2018)
Schëppe Siwen – Sprëtztour (2018)

Gestatten, die Luxemburgische Folkrockband Schëppe Siwen mit ihrem aktuellen Album „Sprëtztour“ – ein Machwerk, das mich doppelt reizt: Zum einen schöpfen Schëppe Siwen aus den Vollen und sind alles andere als „Folk-Rock“ der hiesigen Gestade. Andererseits singen sie in ihrer Muttersprache. Und vorab: So klingt innovativer Folk!

Die Spritztour wird mit einem Instrumental eröffnet. Es paaren sich E-Gitarre, Violine, Schlagzeug, Akkordeon, Trompete und Bass. In schreitend- beinahe lethargischen Andante eröffnet der 43-minütige 13-Titler, ehe nach einem Break Klarheit über den Kurs geschaffen wird. E-Gitarren-Tremolo, Gypsy-Fiddle inklusive aller stilbestimmenden Slights – oder nennen wir es Mini- Glissandos – Trompeten in wohlfeiler Zweistimmigkeit. Wir wissen: Terzen helfen immer. Sprëtztour eröffnet schubladenlos und explosiv zwischen den Regalen von Folk, Polka, Gypsy und Rock.

Mäin Lëtzebuerg beweist nachfolgend eindrucksvoll, dass ein ¾-Takt nicht per se den volksmusikalischen Gestaden anhaften muss. Der Gesang ist für meine Geschmack ein My zu pathetisch und in den charakterbestimmenden Frequenzen zu beschnitten. Dennoch: Der zweite Titel ist eine dreckige Hommage. Ein Lobgesang von Vaganten. Herzergreifend und irgendwas zwischen mächtig und bis gewaltig. Schëppe Siwen überraschen zudem immer wieder mit Details im Arrangement, brechen spontan wohlfeile Rhythmik auf, um musikalisch aufzuwecken.

Beweeg däin Aarsch vereint volksmusikalische Elemente – im Modus einer Karikatur – und skaige Elemente. Ein Hymnus des rückwärtigen Menschenmittelteils, der live dafür gemacht ist, sich zu bewegen. Die Gesänge – zwischen Solo- und Tutti-Passagen wechselnd – ist charmant dreist. Kein Raum für Beliebigkeiten. Man muss sie hassen oder lieben. Und ihrer unbändigen Spielfreude wegen muss man sie eigentlich lieben.

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„Schëppe Siwen – Live Teaser (2018)“ direkt öffnen

Der Nachfolger, Crossing Over to Ireland, schifft eine Weile durch instrumentale Ruhiggestade. Das tut nach dem massiven Aufgebot von Ins-Maul-Mitmach-Anteilen fast ein wenig gut, ehe Däiwel wieder über seine Hörer einbricht. „Sprëtztour“ bleibt stilistisch wundervoll ungreifbar, spielt mit Klischees, bricht sie auf, um ihnen hernach einen grünen Teppich auszurollen. Jeder Musiker brilliert an seinem Instrument. Irgendwo zwischen Ska, Polka, Folk, Rock, Volksmusik und stimmgewordener Spitzbübigkeit ist dieses Album derart vollgepfropft mit Details, dass ein Satthören kaum möglich ist.  Und nochmals: So – und kein Stück anders – klingt die Kombination aus Bewährtem und innovativem Folk! (Ein Album mit einem einzigen, nicht-ernstgemeinten Wermutstropfen: Das Abtippen der Punkte über dem „e“ ist echt lästig.)

Titelliste

  1. Sprëtztour
  2. Mäin Lëtzebuerg
  3. Beweeg däin Aarsch
  4. Crossing Over to Ireland
  5. Däiwel
  6. Die Fräie Fall
  7. Bucks of Oranmore
  8. De verluerene Summer
  9. Soldier’s Joy
  10. Skrupellos
  11. Fraleit
  12. Kleeschen
  13. Fight (Bonus)

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Dieser Artikel wurde in „Rezension“ mit den Schlagwörtern Schëppe Siwen, Sprëtztour von Folkaholix veröffentlicht. Der Autor allein ist für den Inhalt verantwortlich. Lesezeichen setzen.
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Ein Kommentar zu „Schëppe Siwen – Sprëtztour (2018)“

  1. Avatar Gudrun meinte vor 8 Jahren:

    Wenn man jetzt noch Lëtzebuergesch beherrschte …
    Vielen Dank für diese lebendige Besprechung! Ich hätte wohl ansonsten nicht reingehört.

    Kommentieren ↓

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