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Norbert Wehde – Wantonness (2015)

Veröffentlicht am 8. September 2015 von Cera Herbst

Gitarre_stimmenNorbert Wehde ist bereits seit drei Jahrzenten musikalisch unterwegs. Anfangs noch rockig geprägt, doch immer mit einem Hang zu irisch-schottischen Klängen, war er zunächst als Mitbegründer diverser Folkbands auf zahlreichen Festivals in Deutschland, Skandinavien und Spanien unterwegs. Bei zusätzlich reichlicher Erfahrung als Session- und Studiomusiker war das Erzeugen diverser CD´s und eines Notenbuchs für Highland Bagpipes nur logische Konsequenz. Doch wer stillsteht hat bereits verloren. Und so hat sich der gebürtige Berliner glücklicherweise erneut seinen schottischen Dudelsack, seine irische Bouzouki und seine kanadische Gitarre geschnappt, hat gleich die befreundeten Musiker Joanna Scott Douglas ( Vocal, Bodhran), Angela Rohr (Voals, Flöte), Burghard Bock (Fiddle) und Florian Janoske (Fiddle) mit eingepackt und sich aufgemacht das aktuelle Album Wantonness einzuspielen.

Über den Namen des Albums bin ich zunächst ins Grübeln geraten. Denn die gebräuchliche Übersetzung „Lüsternheit“ oder „Schamlosigkeit“ ist so gar nicht passend. Viel eher würde ich es als mutwilliges Locken und als Ausgelassenheit übersetzen, denn das trifft es auf den Punkt. Mit irischem und schottischem Folk, lebhaften Jigs, verträumten Balladen und kämpferischen Arbeiterliedern lockt Norbert Whede in die Highlands, aufs Meer, an zerklüftete Steilküsten, zu sanften Hügeln und grünen Wiesen. Mich persönlich hat seine Songauswahl dabei am meisten gelockt, denn das 15 Lieder umfassende Album enthält zwar traditionelles Liedgut neu arrangiert, jedoch findet sich nicht die zehnte Fassung von Sleeping Maggy oder anderen bekannten Liedern. Außer Blackbird sind es vielmehr eine Ansammlung weniger gespielter Stücke und somit alleine dafür schon ein Hörgenuss. Umgesetzt wurde dieser Hörgenuss mit rein akustischen Instrumenten, die der meist führenden Gitarre oder irischen Bouzouki in einem gut abgestimmten und abwechslungsreichen Arrangement unterstützend zur Seite stehen.

Derby Ram lockt gleich zu Beginn mit flotten Rhythmen auf den englischen Markt um 1870, an dem sich gerne und viel Lügengeschichten erzählt werden. Münchhausen gab es also schon damals. Neben Martinmas Time und Johnny Todd – Two Step eines meiner Lieblingslieder. Alle drei zusammen sorgen unabhängig von ihrem Text für die versprochene Ausgelassenheit, die sich bei Johnny Todd auch schon die Kinder aus Liverpool zu Nutze gemacht haben. Denn die Geschichte des gehörnten Seemanns, der seine Liebe bei seiner Rückkehr mit einem anderen verheiratet vorfand, war ein beliebter Spiel- und Kinderreim.

Die Geschichte des unschuldig verurteilten Jamie Raedburn wird lediglich mit Gitarre und treibenden Perkussion untermalt. In dem somit erzeugten Spannungsraum kann sich die erzählende Stimme wunderbar entfalten. Einnehmend und lockend.

IMG_0829Mit Blackbird und Butterfly gibt es zwei sehr schöne Instrumentaltitel, wobei der letzte lediglich mit wunderbar sanfter Flöte gespielt, einen nicht nur dem Flug des Schmetterlings folgen lässt, sondern auch zu einem Sommertag in eine andere Zeit zu entführen vermag.

Ja, und natürlich gibt es mit der Ballade Wantonness auch ein wenig Bagpipe auf dem Album. Denn es ist sicher das Lieblingsinstrument des Musikers, welches er liebevoll das Instrument der Stille nennt. Schließlich wird diese nach dem letzten Ton des Instrumentes ganz anders wahrgenommen. Recht hat er!  In Wantoness bekommt das Instrument aber lediglich eine im Hintergrund wohldosierte und begleitende Aufgabe. Eine Aufgabe, die genau für die richtige sehnsuchtsvolle Stimmung sorgt.

Musik verbindet. Jeder weiß das. Je offener, desto besser. Das ist wie mit Kindern oder Hunden, das funktioniert immer. Und wenn diese Momente vorbei sind, fühlen wir uns bereichert und sie hinterlassen in uns in ihrer Einfachheit ein kurzes wunderbares Gefühl von Zufriedenheit. Es muss nicht immer ein Hightechstudio sein, denn nicht immer ist viel mehr. Wantonness besticht durch seine Klarheit, durch ehrliche, handgemachte und mit viel Herzblut und Leidenschaft gespielte Stücke, die in mir am Ende genau dieses Gefühl erzeugt haben: Da zu sein, wohin mich die Musik entführen, oder um bei dem Albumtitel zu bleiben, locken wollte.

 

Titelliste:

  1. Derby Ram
  2. Green Grows The Laurel
  3. High Hills of Tara
  4. Mrtinmas Time
  5. Blackbird
  6. Cornrake
  7. Jolly Bold Robber
  8. Johnny Todd / Two Step
  9. Wantonness
  10. Jamie Raeburn
  11. Butterfly
  12. Corn Rigs
  13. Tri Martelod / An Dro
  14. Van Dieman´s Land
  15. Fire Marengo

Hompage

Dieser Artikel wurde in „Allgemein, Rezension“ mit den Schlagwörtern Angela Rohr, Burghard Bock, Coomara, Florian Janoske, Iriche Bouzouki, irische/schottische Celtic-Folk-Musik, Joanna Scott Douglas, Norbert Wehde, traditionelle schottische und irische Songs, Wantoness von Cera Herbst veröffentlicht. Der Autor allein ist für den Inhalt verantwortlich. Lesezeichen setzen.
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