Folk News
  • Aktuelles
  • Rezensionen
  • Vorankündigungen
  • Bands
    • Portraits
    • Interviews
    • Konzertberichte
  • Fotos
  • Hall of Fame
    • Video der Woche
    • Alben des Jahres
    • Band des Jahres
  • Tellerrand
  • BodhrÁnswers
  • Gewinnspiele
  • Kontakt

Im Gespräch: Claudia Dylla & Steffen Sauer

Veröffentlicht am 1. Juli 2017 von Folkaholix
Sauer und Dylla präsentieren Villon
Sauer und Dylla präsentieren Villon

Mit ihrem aktuellen Album, „Die lasterhaften Balladen des François Villon“, präsentieren die Sängerin, Schauspielerin und Regisseurin Claudia Dylla und ihr Partner Steffen Sauer eine leidenschaftliche Hommage an den französischen Radikaldichter Villon. Über dessen Wesen, die Übersetzungen von Paul Zech und die musikalische Inszenierung eines solch gewichtigen Autors haben und beide Künstler Rede und Antwort gestanden.

Was ist das Besondere am Lyriker Villon? Warum seine Sprache? Oder ist es eher die Wahl seiner Biographie und Popularität? 

Dass er keinen Schreibtisch hatte, vermutlich nicht einmal ein Bett … Dass er einen beträchtlichen Teil seiner Werke im Kerker schrieb, dass er ein absoluter Grenzgänger war, vielleicht würde man ihn heute einen Borderliner nennen, weniger als Krankheitsbild sondern vielmehr ein Kind einer Kranken, desaströsen und unvereinbaren Gegensätzen von sattgefressenem, überversorgtem, bigotten Hochadel mit seiner istrumentalisieren Kirche  – und einer anderen Welt des sittlichen Verfalls, unsäglichen Elends, der Hungersnöte, der Plünderung und des sozialen Abgrunds! Und noch etwas an ihm ist besonders: Er hat jedes seiner Worte gelebt, seine Texte sind fühlbar authentisch. Villon ist eben nicht populär, oder besser, nicht mehr, natürlich gibt es immer die „Insider“, die man in den Jazzkellern, im Literaturcafè oder auf Mittelaltermärkten trifft. Das ist  eher eine kleine Zahl von Leuten, die ohnehin couragiert genug sind, sich dem Einfluß der öffentlichen Meinung entziehen und dem eigenen Verstand mehr Vertrauen schenken als dem, was gerade angesagt ist. Wirklich bekannt oder populär ist ein Autor dann, wenn er gesellschaftlich anerkannt ist, wenn er, und dies sollte man einem Dichter wohl nach 500 Jahren, so er bisher nicht verschollen ist, doch zuerkennen. Jedenfalls hat Villon der Nachwelt ein Werk geschenkt, welches uns schwindelerregende Wahrheiten und Gedankengänge offenbart, die ihn zum geistigen Vater der Reformation und einen Visionär einer menschlicheren, liebevolleren, und freieren Gesellschaft erhebt. Seine Sprache ist schonungslos, verwegen, brutal und zart zugleich.

Die lasterhaften Balladen
Die lasterhaften Balladen

Ihr überschreibt eure CD mit dem Prädikat „Villon“, dabei sind einige Texte wie bspw. „Eine kleine Liebesballade, gedichtet für Jean de Quee“ gar nicht von Villon sondern von Paul Zech. Was war der Anlass dafür?

Die lasterhafte  Lieder und Balladen sind definitiv keine unmittelbaren Übersetzungen von Villon, sondern ausgewiesene Nachdichtungen. Zum einen hat Zech es verstanden, den Sinn, das Anliegen und die Seele des Dichters zu erfassen, das Altfranzösiche, welches nicht einmal ein heutiger Franzose zu lesen versteht,  seine Grundgedanken und Metaphern für eine deutsche Leserschaft erschließbar  zu machen und obendrein in eine geschmeidige, leichte und lustvolle Reimform zu setzen. Genau genommen ist der Text“ Ich bin so wild nach Deinem Erdbeermund “ nicht von Villon, keine einzige Passage. Aber es ist meisterhaft geschrieben- ein Liebesgedicht, lustvolle, poetisch. Dieses Gedicht macht Lust auf Sex, und doch ist es umschrieben und … wunderschön. Und warum sollte Zech, der seine Nachdichtungen nicht leugnet, ein eigenes hinzu fügen?

Habt ihr euch bewusst für die Zech’schen Übersetzungen und Nachdichtungen entschieden?

Wir haben uns bewusst  für Paul Zech entschieden, da wir eine deutsche Version für ein deutsches Publikum wollten. Eine Eins -zu – Eins- Übersetzung würde unser Publikum nicht erreichen. Lyrik ist in der Übersetzung ohnehin ein Problem, es ist immer die Handschrift des Übersetzers drin. Zech trifft die Stimmung, den Ton, erzählt Villon Geschichten, diese berühren, darauf kommt es an.

Nicht uninterpretiert: Die Ballade von den Lästerzungen
Nicht uninterpretiert: Die Ballade von den Lästerzungen

Was haltet ihr von den Kinski-Interpretationen?

Schwierig zu sagen. Kinski war auf seine Weise authentisch, ein großartiger  Mime. Es ist eine Frage des persönlichen Geschmacks, ob man seine Villon – Interpretationen mag. Eben das Schöne, es wird bei Kinski leicht unappetitlich. Sein „Erbeermund“ löst bei mir eher Fluchtgedanken aus. Und es ist die gesamte Auffassung dieses vielschichtigen Franzosen doch sehr subjektiv und eindimensional gestaltet. Es geht bei Villon nicht um Selbstdarstellung, Kinski handelte da wohl aus eigener seelischer Not … für uns eher Anlass, zu schauen, wie wir es auf keinen Fall machen wollen. Villon hatte Themen, von denen jeder Leidende, jeder Liebende, jedes Opfer einer korrupten Lebenswert betroffen ist.

Wie entsteht die Musik zu den Texten?

Oh das war der größte Spaß für uns. Wir ergänzen uns da schon mal mit unseren Ideen sehr gut. Wir haben beide eine starke Intuition. Hinzu kommt ein fundiertes Musikstudium. So liefert Claudia die Kompositionen, Steffen die Rhythmen und Klänge. Die Grenzen zwischen uns sind fließend. Uns verbindet darüber hinaus ein ausgeprägter Spieltrieb … Man könnte es auch akademisch ausdrücken: wir sind beide mit einer enormen Experimentierfreudigkeit ausgestattet…:) Und nicht zuletzt die vielmals unterschätzte Drehleier bietet da viele musikalische Möglichkeiten.

Homepage | Bestellen

Dieser Artikel wurde in „Interview“ mit den Schlagwörtern Claudia Dylla, Die lasterhaften Balladen des François Villon, François Villon, Klaus Kinski, Paul Zech, Steffen Sauer von Folkaholix veröffentlicht. Der Autor allein ist für den Inhalt verantwortlich. Lesezeichen setzen.
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Kommentieren Kommentieren abbrechen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Angaben mit * sind Pflicht.

Formatierungen und Hilfe anzeigen Formatierungen und Hilfe ausblenden

Wenn Sie ein Bild von sich hinterlassen möchten, tragen Sie bitte die E-Mail-Adresse ein, die Sie auch bei Gravatar verwenden. Möglicherweise müssen Sie sich dort zunächst registrieren.

Formatierungen mittels HTML-Tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Welcher Tag kommt nach Donnerstag?
Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und willige in die Verarbeitung meiner Daten in diesem Formular ein.

Video der Woche

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen.
Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von YouTube.

Video direkt öffnen

Folk-News-Radio hören

Radio

laut.fm/folknews

Nächste Sondersendung:

Radiopartner

Festivalticker

Festivals im Festivalticker

Netzwerke

Facebook-Seite auf Facebook besuchen
YouTube-Kanal auf YouTube besuchen
Instagram-Seite auf Instagram besuchen
Twitter-Kanal auf Twitter besuchen
Spotify-Kanal auf Spotify besuchen

Schlagwörter

2014 2015 Album Americana Celtic-Folk-Musik Celtic Rock Cobblestones Country Country Folk Dropkick Murphys Festival Maritim Fiddler's Green Flogging Molly Folk Folk-Musik Folk- und World-Musik Folkpunk Folkrock Folk Rock Gewinnspiel Harmony Glen Heiner Breuer Interview irische Musik Irische und schottische Musik Irish Irish and Scottish Folk Irish Folk Jan oelmann Jazz Liedermacher Max Heckel Mittelalter Folk Mittelalterlich Phantasie Spectaculum MPS MPS Rastede Mr. Irish Bastard Nobody Knows Pop Singer/Songwriter Singer / Songwriter Stendal Tone fish Versengold Video der Woche

Neueste Kommentare

  • zvAjtkTDccSnPgWHXe zu Im Gespräch: Bea Bacher
  • YFCHzFZEhkkDfZgnrCCqFLJ zu MPS Rastede 2025 – Mythemia & Rapalje
  • OpezSgpCPyWzrZGarQcWVMj zu Im Interview: The Bally Brigade
  • zOVOENFcyjWmnOJLZplmHkAY zu MPS Rastede 2026
  • eigizEbkkRlfHfoTyui zu MPS Rastede 2026

Unterstützt von


  • © Folknews
  • erstellt von falconiform
  • Impressum & Datenschutzerklärung
  • Sitemap
  • 9. Juli 2026
  • folknews.de