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Chapeau – Claque [klak] (2015)

Veröffentlicht am 10. Mai 2015 von Cera Herbst

11133787_1611802449055997_720597526640647071_nAch, was muss man oft von bösen Kindern hören oder lesen! Wie zum Beispiel hier von diesen, welche Max und Moritz hießen; Die drei Musiker der jungen Band Chapeau sind sicherlich keine bösen Buben, oder Mädels, obwohl es auf der Bühne zumindest verbal manchmal ganz schön zur Sache geht. Vielleicht liegt es genau an diesen nicht immer ernst gemeinten Wortspielereien mit verschmitzten Blick, die die Band neben ihrer eingehenden musikalischen Umsetzung scheinbar leichter Lyrik von Ringelnatz und Co, aber auch Monti und Brahms, schon ein Jahr nach Ihrer Gründung bereits zu einem Geheimtipp in Sachen guter Unterhaltung werden ließen.
Frontmann und Gründer der Band Max Heckel sieht diese übergreifend klangliche Vielfalt selbst irgendwo zwischen Singer-Songwriter-Manier mit Country-Einflüssen und Pop-Elementen. Aber eigentlich muss das Genre nur einen Namen haben, denn wer den Komponisten kennt, weiß, dass er auf starre Grenzen buchstäblich pfeift und diese gerne nach Bedarf musikalisch in alle Richtungen verschiebt.

Nicht anders im Debütalbum Claque [klak]. Das Trio Max Heckel (Gesang, Gitarre und Violine), Aron Thalis (Schlagzeug) und Tabiha Harzer (Gesang, Piano und Querflöte) widmet sich gemeinsam mit Gastmusiker Marcel Storjohann (Bass) auf elf Titeln ganz den Werken Wilhelm Buschs und vertont die kritisch-ironischen Texte auf leichte moderne Art, bindet gar Rap-Elemente ein und trumpft dabei mit dem einen oder anderen Ohrwurm auf. Vor allem das poppig und fröhlich inszenierte Die Schnecken und das rhythmische Stück Die Fliege laden in ihrer Umsetzung und dem abwechselnden Gesang unweigerlich zum Mitwippen ein. Die Fliege punktet zudem mit einer zusätzlichen instrumentalen Strophe, in der die Fliege (Piano) dem Inspektor (Gitarre) frech um die Nase tanzt. Bemerkenswert in allen Liedern der voluminöse und klare Gesang von Tabiha Harzer und die musikalische Interpretation des Themas. In Hans-Huckebein- Streiche und Tod trifft beides (nicht nur symbolisch) aufeinander wie Will Kane und Frank Miller in der berühmten Szene von Zwölf Uhr mittags. Gitarre und Banjo umrahmen instrumentell den Ärger verbreitenden Raben, der, wenn er könnte, wie seine filmischen Mitstreiter sicher auch die Augen zu Schlitzen verengen würde. Spielwitz ohne die Stimme unterzubuttern.

Wer in dem Album genauer hinhört, kann nicht nur ungewöhnliche musikalische Accessoires wie das einer ineinander fallenden Kette, sondern auch den hin und wieder wohl bewusst eingesetzten Dialekt aus der Altmark vernehmen, der damit in Der Hinterlistige Heinrich der Gänse quälenden Hauptperson die Schärfe nimmt.

Aber Wilhelm Busch bietet mehr als nur Max und Moritz und freche Streiche. In Der Philosoph treiben Schlagzeug und Piano philosophische Gedanken mal in die eine, mal in die andere Ecke und zeigen menschliche Schwächen und Tücken kalkuliert auf.

Die Streiche von Max und Moritz oder die des frechen Raben Hans Huckebein zu vertonen ist alles andere als Kinderkram. Streiche als Angriff auf die Bürgergemütlichkeit und Verse, in denen stets die Lust am Makabren und ironischer Schalk aufblitzen, scheinen aber den besonderen Reiz für Max Heckel auszumachen. Frech und provokant, wie Wilhelm Busch selbst, treffen mit diesem Album musikalische Raffinesse im modernen Gewand auf eine gelungene und sympathische Auseinandersetzung mit dem literarischen Vermächtnis Wilhelm Buschs. Eine temporeiche Hommage an den Dichter, in der das Zusammenspiel der unterschiedlichen Stimmfarben beider Sänger in ihrer Ausgewogenheit nicht nur alle musikalischen Sinne anspricht, sondern auch, und das vor allen Dingen, von einer punktgenauen Interpretation des Themas mit entsprechendem kompositorischem Fingerspitzengefühl zeugt, welches am Ende ein Gefühl hinterlässt mitten drin zu sein: Verzaubert, entführt in frühe Kindheitstage, mit wirren Haaren und einem ebenso frechen Grinsen im Gesicht wie den Protagonisten selbst.

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Und Wilhelm Busch? Er würde wahrscheinlich seiner Zeitepoche entsprechend anerkennend den Hut heben und vielsagend lächeln. Ich dagegen bin etwas moderner und klatsche der Contenance entbunden distanzenthemmt, aber nicht weniger anerkennend mit Freude in die Hände.

 

Titelliste:

  1. Der hinterlistige Heinrich
  2. Die Schnecken
  3. Ein frohes Ereignis
  4. Fipps, der Affe, am Klavier
  5. Die Fliege
  6. Der Maulwurf
  7. Der Philosoph
  8. Der Frosch
  9. Hans Huckebein – Streiche und Tod
  10. Fink und Frosch
  11. Erster Streich

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Dieser Artikel wurde in „Rezension“ mit den Schlagwörtern Aron Thalis, Chapeau Claque, Chapeau Die Band, Der Philosoph, Hans Huckebein, Max Heckel, Max und Moritz, Ringelnatz, Tabiha Harzer, vertonte Gedichte, Wilhelm Busch von Cera Herbst veröffentlicht. Der Autor allein ist für den Inhalt verantwortlich. Lesezeichen setzen.
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5 Kommentare zu „Chapeau – Claque [klak] (2015)“

  1. Avatar Sandra meinte vor 11 Jahren:

    Sehr schön geschrieben!
    Wer die drei noch nicht kennt, sollte spätestens jetzt Lust darauf haben, sie live zu erleben!
    Ich jedenfalls freue mich sehr auf ein nächstes Mal!

    Kommentieren ↓
  2. Avatar Gudrun meinte vor 11 Jahren:

    Und die Zeit bis zum Live-Erlebnis kann man ja wunderbar mit der hier so liebenswert besprochenen CD überbrücken. 😉

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  3. Avatar Karl meinte vor 11 Jahren:

    Tolle Rezension, wenn ich die CD nicht schon hätte, würde ich sie jetzt kaufen.

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  4. Avatar Max meinte vor 11 Jahren:

    Vielen Dank, werte Rezensentin. Gleich dem Verzehr eines edlen Steaks hinterlässt auch dieser Konsum ein wohliges Bauchgefühl: Im Abgang raffiniert und mitnichten oberflächlich. Goutierte man mir doch allerorts derartiges, dann wäre ich nicht nur noch schneller dick sondern noch viel selbstzufriedener!

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  5. Avatar Tabi meinte vor 11 Jahren:

    Vielen Dank für so eine tolle Rezension! Ein wundervoller Artikel zur neuen CD. Und wenn Wilhelm den Hut hebt, hebenn wir unsere Hüte gern zurück. 😉 Chapeau!

    Kommentieren ↓

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