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d’Artagnan – Seit an Seit (2016)

Veröffentlicht am 28. Februar 2016 von Cera Herbst

Was als Scherz bei einem Bierchen im Studio seinen Anfang nahm, setzt nun in dem Debütalbum Seit an Seit der Nürnberger Band d’Artagnan einen vorläufige Meilenstein.  Gemeinsam mit dem Produzenten Thomas Heimann Trosien und den Musikern Ben Metzner, Tim Bernard und Felix Fischer stand die Idee im Raum, einen neuen und unverbrauchten Ableger bekannter Genre ins Leben zu heben. Hinsichtlich der zahlreichen produktiv betreuten Bands von Trosien aus dem weiten Feld der Mittelalterszene wie In Extremo, Saltatio Mortis oder Schandmaul und dem Erfahrungsschatz der Feuerschwanz-Spielleute Ben (alias Prinz R. Hodenherz) und Felix (Felix Taugenichts) keine unlösbare Aufgabe.

Neben dem von Brüderlichkeit geprägten Titelsong Seit an Seit sowie Ehre wem Ehre gebühret und Bis zum letzten Atemzug gibt es eine ganze Reihe traditioneller Lieder wie Komm mit aus den Merseburger Zaubersprüchen und das französische Sauflied Tourdion. Letzteres wurde von der Band ein wenig entschleunigt und punktet sicher mit einem eingängigen Refrain und schwungvollen Gute-Laune-Takten im mittelalterlichen Rock-Popp Gewand.  Romantischer geht es in der Eigenkomposition So wie du zu. Ein Liebeslied, in dem sich der Refrain wohltuend im Hintergrund hält. Und was wäre das dunkle Zeitalter neben Ritterlichkeit und holder Weiblichkeit ohne Schlacht, Duell und bitteren Tod? Natürlich: Es wäre unvollständig. So gibt es auch mit Für immer Dein das passende Lied über die letzten Gedanken eines sterbenden Soldaten auf dem Schlachtfeld. Und auch die Rabenballade, in Anlehnung an die Schelmish Version, fehlt nicht. Gemeinsam mit So wie Du bringt die Rabenballade für mich die meiste musikalische Abwechslung in dem doch oftmals gleich wirkendem Liedkonzept.

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„dArtagnan | Der Vorhang fällt für den modernen Musketier-Rock“ direkt öffnen

Musik steckt voller Klischees. Gut so, denn was wären wir ohne all diese liebgewonnenen Nuancen? Das Entscheidende dabei: Wenn schon Klischees, dann aber bitte mit Stil und möglichst nah am Leben, oder zumindest an der Vorstellung, wie das Leben einmal ausgesehen haben könnte. Seit an Seit ist zweifelsohne hervorragend umgesetzt und bedient in breiter Front Heldentum, Freundschaft und Brüderlichkeit vergangener Epochen. Neue Erkenntnisse oder gar die erwartete neue Stilrichtung sehe ich jedoch nicht. Zu deutlich sind die Parallelen zu dem Erfolgscoctail Santiano. Womit das Dilemma auch schnell erkannt ist. Denn einerseits bräuchte es einen echten Wiedererkennungswert, um sich abzuheben. Andererseits ist jeder gerne Teil der Szene und mag das feierwütige Mittelalter-Volk wohl nicht gegen den Kopf stoßen. Schade, ich bin mir sicher, dem Volk darf ruhig mutiger entgegengetreten werden. Denn Potential bringen die Musiker von d‘Artagnan in jedem Fall mit.

So ist Seit an Seit am Ende ein Album, welches eine Menge Klischees bedient. Eines ohne wirklich viel Neues, aber dafür mit ansteckender Spielfreude und voller tanzbaren und gut produzierten Liedern. Mit einigen davon lässt sich die Winterträgheit problemlos abschütteln und ganz nebenbei fungieren die locker und beschwingt dahinrockenden Texte als wohltuender Stimmungsaufheller.

Ein Effekt, der wohl bewusst gewählt wurde und das Motto der Band trifft. „..in einer Welt, die ja durchaus nicht grade übersichtlich und unkompliziert ist, versuchen wir das zu transportieren, was uns wichtig ist und was den Menschen schon immer etwas bedeutet hat: Große Veränderungen fangen klein an, niemals aber ohne ein gewisses Maß an Lebenslust, Mitgefühl, Freundschaft und nie ohne den Mut etwas anzupacken und nach vorn zu blicken.“

In Zeiten, in denen viele Menschen scheinbar vergessen haben, dass man in Achtung dieser besagten Werte durchaus leben kann und sollte, ein willkommenes Motto. Wem das Album (wie mir) trotz oder gerade wegen der bedienten Klischees zu glatt und zu sauber erscheint, der mache sich ein Bild von den Liveauftritten der Band. Denn dort wird laut Felix nochmal eine ordentliche Schippe Rock, Rauheit und Dreck draufgelegt.

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DARTAGNAN – Die Tour 2016!
11.05.16   München Backstage
12.05.16  Frankfurt Nachtleben
13.05.16  Nürnberg Hirsch
14.05.16  Stuttgart Das Cann
19.05.16  Leipzig Moritzbastei
20.05.16  Erfurt Hdj
21.05.16  Dresden Scheune
22.05.16  Berlin Postbahnhof
24.05.16  Hannover Lux
25.05.16  Bremen Tower
26.05.16  Hamburg
27.05.16  Köln Luxor
28.05.16  Bochum Zeche

Titelliste:

  1. Seit an Seit
  2. Ehre wem Ehre gebühret
  3. Komm mit
  4. Bis zum letzten Atemzug
  5. Meine Liebste Jolie
  6. En Garde
  7. So wie Du
  8. Für immer Dein
  9. 7 Meilen
  10. Freiheit
  11. Tourdion
  12. Rabenballade
  13. Mann mit der eisernen Maske
  14. Heldenlied

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Dieser Artikel wurde in „Allgemein, Rezension“ mit den Schlagwörtern Ben Metzner, D'artagnan, Felix Fischer, Mittelalter Folk, Musketierfolk, Seit an Seit, Tim Bernard von Cera Herbst veröffentlicht. Der Autor allein ist für den Inhalt verantwortlich. Lesezeichen setzen.
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Ein Kommentar zu „d’Artagnan – Seit an Seit (2016)“

  1. Avatar sge meinte vor 10 Jahren:

    …genau das ist es — ein Scherz

    Kommentieren ↓

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