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Cobblestones ~ Laughstory (2011)

Veröffentlicht am 31. Januar 2014 von Folkaholix
Laughstory
Laughstory

Die Pflastersteine Berlins haben nach einer viel zu langen Zeit des Wartens, über die auch die Single-Auskopplung nicht hinwegtäuschenkonnte, einen weiteren Silberling unter das feierfreudige (F)olk geworfen. Die selbsternannten Stümper führen dabei einmal mehr ihren eigenen Namen ad absurdum – nicht jedoch den ihres vierten Longplayers. Die sogenannte Laughstory mag zwar die Intention der Cobblestones unterstreichen, nicht zu ernst genommen werden zu wollen, Freunde der vier Berliner erkennen darin jedoch vielmehr eine andere Leidenschaft: die von Sláinte-Rufen begleitete, absolute Hingabe zu irischem Alkohol jedweder Façon. So rühmen sich die vier Herren zu Recht, diverse Größen der Folkszene unter den Tisch gebechert zu haben. Zum Schutz der Betroffenen seien an dieser Stelle jedoch keine Namen genannt.

Seit nunmehr zehn Jahren folken sich die Cobblestones durch die Ohren und Herzen einer altersübergreifenden Zuhörerschaft durch Deutschland und – zum Bedauern der deutschen Fans – auch durch die Niederlande, Spanien, Österreich und die stilgebenden Ländern ihrer Musik. Anlass des Zusammenschlusses war, neben der Hingabe zu zwei (oder drei) Bechern Guinness‘, die Leidenschaft für irische und schottische Folklore. Im Gegensatz zum Guinesskonzern, der heute nicht mehr in Dublin sondern in London seinen Hauptsitz hat, blieben die Cobblestones ihrer Leidenschaft und musischen Verankerung (weitestgehend) treu. Gemäß dem Motto „Guinness is good for you“ kultivierten die vier Herren ihren anfänglichen Stil über ein Jahrzehnt und haben im vierstimmigen Satzgesang eine Meisterschaft erreicht, die weit über die Grenzen Deutschlands ihresgleichen sucht.

Die heute viel nachgeahmte Idee, kompositorische Elemente der Klassik mit volkstümlicher Natürlichkeit zu verbinden, ist schon heute ein musikalischer Abdruck, der auf weitere richtungsweisende Innovationen hoffen lässt. In den meisten Fällen funktioniert folkloristische Mehrstimmigkeit nach dem Prinzip „Terzen helfen immer“. Selbst die ersten Alben der Cobblestones verzichteten jedoch auf diese Monotonie. Vielmehr wagte man sich durch die Palette möglicher Vielstimmigkeiten und scheute auch Dissonanzen nicht. Schlussletztlich kulminierte diese Entwicklung in einer Sangesleistung, die sowohl im solistischen aber insbesondere im gemeinsamen Klingen Einmaligkeit für sich beanspruchen darf.

Die „Laughstory“, die es gegen einen geringen Aufpreis auch mit Whiskeyspeicher gibt, bietet als Entschädigung für die lange Wartezeit 15 Titel, die sowohl Traditionelles als auch Cobblestones-Ungewohntes bieten. So eröffnet des Album mit Mary’s Wedding & Instrumental in alter Pflastersteinmanier à cappella, um dann umso wuchtiger den Instrumenten kurzzeitigen Vorzug zu geben. Mit Gitarre, Mandoline, Kontrabass, Bodhràn, Akkordeon und Whistles sind die Cobblestones eher traditionell bestückt. Dem gegenüber stehen indes instrumentale Akzente durch Waschbrett und Kazoo. Außerdem hat man sich Fiddleverstärkung von den Sandsacks geholt. Indes sich Mister Bernhardts Octav-Mandola-Spiel live gern mit Fiddlern misst, spielen im musischen Nachsatz Violine und Mandola in trauter Harmonie unisono.

Rising of the Moon, leidenschaftlich von Herrn Knappe intoniert, wartet endlich mit besagtem Waschbrettsound auf. Indes in den solistischen Strophen wohlbedachte Sparsamkeit angeschlagen wird, geizen die vier Herren jedoch nicht mit Yehaw-Einwürfen. Dem wohlgesonnen Hörer treten die meisten Alben in studiotechnischer Stimmung entgegen. So fabriziert mancherlei Kapelle zwar einen astreinen Studiosound, versagt dann jedoch dem Live-Folk seine adäquate Umsetzung. Ähnliches Problem ist in umgekehrter Richtung bei dem weitaus größeren Teil der Autodidakten-Bands zu konstatieren. Live astrein – auf CD dann jedoch eher bescheiden. Die Cobblestones liefern mit Laughstory einen Silberling ab, dem der seltene Brückenschlag zwischen Live-Feeling und Studio-Pedanterie gerecht wird. Wer die Jungs live liebt, wird von dem Album in keinster Weise enttäuscht sein. Und wer sie über das Album kennenlernt, wird live ein beinahe gespenstisches Adäquat hören können.

Mit Moonshiner wird der hörige Rezipient in die hohe Schule des Schunkelns eingeführt – und man meint fast, Herrn Lendt spielselig hinter seinem Bass stehen zu sehen. Die Augen vom Glück der gefühlsschwangeren Guinnessseligkeit feucht leuchtend … So geht es über McPherson’s Lament und Hills of Connemara weiter durch die Landschaft der wohlbekannten und neuinterpretierten Traditionals. Whip Jamboree reiht sich problemlos in diese Riege ein, überzeugt aber durch einen beinahe sakralen Ein- und Ausgang. Nahtlos schließt sich ein weiteres Instrumentalstück an, bei dem bei Auftritten gern die Bühne von Tanzwütigen geentert wird. Weiter geht es durch die Analen der wohlfeilen Neuinterpretation.

Ein echter Hinhörer ist dann Rawhide. Indes ein Pferd durch die einsame Steppe galoppiert und akustisch hinter dem Horizont verschwindet, stimmen Krähen ein todessehnsuchsvolles Gekreische an. Einsam zieht in das Gemüt der schluchzende Klang einer Mundharmonika. Das wohlbekannte „rolin, rolin, rolin“ stimmt in die Stimmung des am Steppenrand befindlichen Saloons ein. Beschwingter als die bekannten Versionen lässt die cobblestones’sche Lesart selbst die Blues Brothers verblassen – und Herr Lendt lässt sein diabolisches Lachen erklingen. Danke! Einfach großartig.

Von Drunken Sailor gibt es mindestens so viele Versionen wie es auch Folklorebands gibt. Der dreistimmige Background verleiht dem wenig überraschenden Zwei-Akkorde-Stück jedoch eine Bedrohlichkeit, die den Biergenuss der Interpreten fast ein wenig fragwürdig erscheinen lässt. Als wollten die Herren sagen: Bier ja, aber nur mit uns! Mein zweiter Favorit des Albums ist Es wollt‘ ein Bauer früh aufsteh’n! Endlich erklingt auch das Kazoo von Macherauch, der während der Zwischenteile unweigerlich vor meinem inneren Auge erscheint und mit seinem Watscheltanz im Nu die Herzen gewinnt. Dass sich die Herren auch am deutschen Liedgut vergreifen, sollte keine Zugabe bleiben, sondern vielmehr richtungsweisend sein. Die deutsche Folklore ist, wenn nicht im (Pseudo)-Mittelaltergewand zumeist recht angestaubt. Der pflastersteinerne Neuanstrich würde also für viel Abwechslung in der deutschsprachigen Folkszene sorgen.

Insgesamt verdient dieses Album die Bestnote Muss-Man-Haben. Wer keine Lust auf monotones Offbeat-Gehämmer und immergleiche Interpretationen hat, sollte nicht auf „Laughstory“ verzichten. Insgesamt bleibt zu hoffen, dass dieser Silberling noch nicht den Höhepunkt des COBBLESTONES-Schaffens darstellt, sondern dass wir auch zukünftig Neues erwarten dürfen. Bleibt grundlos bescheiden und: Folk Up!

 

Titelliste

  1. Mary’s Wedding
  2. Botany Bay
  3. Rising Of The Moon
  4. Monto
  5. McPherson’s Lament
  6. Moonshiner
  7. Hills Of Connemara
  8. Whip Jamboree
  9. Irish Rover
  10. Star Of The County Down
  11. Bog In The Valley
  12. Donegal Danny
  13. Rawhide
  14. Drunken Sailor
  15. Es wollt‘ ein Bauer früh aufsteh’n

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Dieser Artikel wurde in „Rezension“ mit den Schlagwörtern Andreas Knappe, Andreas Macherauch, Cobblestones, Es wollt‘ ein Bauer früh aufsteh’n, Laughstory, Macrus Bernhardt, Martin Lendt, Rawhide von Folkaholix veröffentlicht. Der Autor allein ist für den Inhalt verantwortlich. Lesezeichen setzen.
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