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Tim Holehouse – Come (2019)

Veröffentlicht am 5. Juni 2020 von Emanuel Winkler

Man könnte Tim Holehouse Rastlosigkeit unterstellen. Seit Jahren bereist er nahezu alle Kontinente dieses Planeten, um Geschichten zu erleben und Geschichten zu erzählen. Das Reisen mag in seinen Genen verankert sein, waren doch beide Elternteile Seefahrer der Royal Navy. Es verwundert folglich wenig, dass der umtriebige Wahllondoner in der Vergangenheit Teil verschiedenster Bandprojekte in unterschiedlichen Stilrichtungen war und selbst an nahezu 63 Veröffentlichungen beteiligt.

Sein elftes Soloalbum Come (2019) hat im Entstehungsprozess ganze fünf Jahre gedauert und bietet zweierlei Facetten. Da ist zum einen der in sich gekehrte wandernde Songwriter, der auf nie enden wollender Landstraße mit den eigenen Unzulänglichkeiten konfrontiert ist. Wäre alles nur halb so spannend, gäbe es nicht diese Ausbrüche in größere und dichtere Klangräume, als würde der Geist des Südengländers in seinen Gedankenflüssen transzendieren und mit seiner Umwelt in seltsamem Reigen verschmelzen.

Klanglich sorgt hier vor allem ein Streichtrio für die nötige Tiefe und Abwechslung zum ansonsten eher rauen Sound des Künstlers. Holehouse verzichtet auf Come zumeist auf klare Songstrukturen und sinniert lieber mantrisch über die eigene Existenz. Wenn der trockene Bariton aus den Lautsprechern krächzt, mag man sich hier und da an den altehrwürdigen Lou Reed erinnert fühlen.

Höhepunkte des Langspielers sind vor allem die Stücke „Aveiro“, wenn sich klassische Songwriter-Manier und atmosphärische Verdichtung die Hand reichen. „Placid Lake“ zieht das insgesamt gediegene Tempo der Platte an und klingt gleichsam eingängig und wunderbar verschroben. Auch „London“ öffnet sich in düsteren Anspielungen einem größeren Klangraum und vermag den Hörer zum Ende des Albums in einen fantastischen Trancezustand befördern.

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„Tim Holehouse – Sleep [Official Music Video]“ direkt öffnen

Tim Holehouse reicht dem Hörer auf Come die Hand und nimmt ihn mit auf eine Reise in seine Gedankenwelt. Mal staubig, mal meditativ, in jedem Fall eigenwillig. Gelingt es, sich darauf einzulassen, darf man sich über ein abwechslungsreiches, introspektives Album freuen.

Titelliste:

1 – Numbers Game
2 – Aveiro
3 – One Day at a Time
4 – Sleep
5 – Prince of the Palace
6 – 24 Hours (Come)
7 – (I’m not) Icarus
8 – Placid Lake
9 – London

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Dieser Artikel wurde in „Rezension“ mit den Schlagwörtern Alternative Country, Americana, Come, Folk, Songwriter, Tim Holehouse von Emanuel Winkler veröffentlicht. Der Autor allein ist für den Inhalt verantwortlich. Lesezeichen setzen.
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