Seit 46 Jahren auf Tournee, begeisterte das Irish Folk Festival auch in diesem Jahr wieder mit einer hochkarätigen Besetzung das deutsche Publikum. Petr Pandula führte mit kleinen Anekdoten und lockeren Sprüchen souverän durch den ausverkauften Abend in der Neubrandenburger Konzerthalle. So verglich er das diesjährige Motto „The calm before the storm“ nicht nur mit dem allgegenwärtigen Klimawandel, dem es Einhalt zu gebieten gilt, sondern stellte ebenso fest, dass es hervorragend zum Brexit passe. Auf das eigentliche Programm bezogen beschrieb das Motto allerdings auch hervorragend den Verlauf des mit irischen und keltischen Tunes und Songs gefüllten Konzerts – einerseits überzeugten die Künstler mit subtilen, leisen, aber dennoch enorm kraftvollen Tönen, bevor sich die langsam aufgebaute musikalische Energie in einem wilden Sturm zwischen den Kirchenmauern entlud.

Caroline Keane und Tom Delany eröffneten mit ihrer in der Musikszene eher ungewöhnlichen Kombination aus irischer Concertina und Uillean Pipes den Abend. Vollkommen in der Musik versunken spielte sich das aus Dingle stammende Duo mit einem Set aus verschiedenen traditionellen irischen Tänzen in die Herzen der Zuhörer. Caroline erzählte, sie würde nur für ihr Publikum Deutsch lernen, was sie allerdings nicht so gut beherrsche – diese Meinung unterstützten die Neubrandenburger allerdings so gar nicht. Eine Besucherin meinte dazu: „Wenn ich so gut Englisch könnte wie sie Deutsch, könnte ich auswandern!“ Das Paar wartete neben ihren beeindruckenden Tunes auch mit ein paar persönlichen Informationen auf: So erfuhren wir, dass sie im nächsten Jahr heiraten würden, dass Toms Mutter Französin und sein Vater Ire sei und er das Beste aus beiden Welten abbekommen habe: „I can eat and I can drink“.

Barry Kerr schaffte es, allein mit seiner Gitarre auf der Bühne, den ganzen Saal mit seinen emotionsgeladenen Songs zu erfüllen. Der Singer/Songwriter aus Nordirland beeindruckte nicht nur mit seinen poetischen Texten, beispielsweise beim „Leaving song“ oder „Life on the edge“, sondern auch mit seinem virtuosen Gitarrenspiel und seiner markanten Stimme. Für einen nordirischen Künstler ein gutes Stück Arbeit, ist er sowohl international als auch in der irischen Folkszene angekommen, wird von den lokalen Radiosendern gespielt und wurden einige seiner Songs sogar bereits von anderen Bands gecovert. Neben der Musik schlägt sein Herz für die Malerei, die häufig ebenfalls einen Bezug zur Musikszene hat.

Mit dem Auftritt der Fitzgeralds war der ruhige Teil des Abends definitiv vorbei – kaum auf der Bühne, spielte bereits die erste Geige auf, die weiteren Musiker setzten nach und nach ein, wodurch ein anschwellender Klang erzeugt wurde, der das Publikum sofort mitriss. Die aus Kanada stammenden Künstler zeigten eindrucksvoll, was die Folk-Szene jenseits der Grünen Insel zu bieten hat und wirbelten mit ihrem groovigen Sound und rhythmischer Raffinesse über die Bühne. Die drei Geschwister beherrschen ihre Instrumente bis ins kleinste Detail – kein Wunder, räumten Julie und Tom Fitzgerald bereits bei den Canadian Grand Masters Fiddling Championships ab, Erstere ist sogar schon zweifache Gewinnerin. Doch ihre Schwester Kerry Fitzgerald steht ihnen in ihrem Können und ihrem Spaß an der Musik in nichts nach. Als Verstärkung holt sich das Trio immer wieder die Creme de la Creme der kanadischen Gitarristen mit ins Boot – so mit Kyle Waymouth auch bei dieser Tour. Gemeinsam würzen sie den kanadischen Folk zudem mit Einflüssen aus Jazz, French-Canadian, Bluegrass und Pop. Ein absolutes Highlight sind dazu ihre rasanten und imposanten Stepeinlagen, die die Halle zum Beben brachten.

Nach der Pause eroberte der Headliner Mànran die Bühne – Scot Rock vom Feinsten! Der Sänger, Fiddler und Highland Bagpiper Ewen Henderson beeindruckte vor allem im Zusammenspiel mit Ryan Murphy, dem einzigen Iren der Gruppe, der mühelos zwischen Uilleann Pipes und Flöten hin- und herwechselte. Zusammen mit Gary Innes am Akkordeon, Craig Irving an der Gitarre, Ross Saunders am Bass und Mark Scobbie an den Drums eroberten sie das mecklenburgische Publikum im Sturm. Ob traditionelle irische Tunes, selbstgeschriebene Songs oder gälische Klassiker – Mànran spielte sich mühelos durch ihr abwechslungsreiches wie beeindruckendes Repertoire. Dem Publikum mit Sicherheit im Kopf blieb ein gälisches Liebeslied über einen Schotten, der im Krieg in Frankreich an seine zurückgelassene Frau denkt – Henderson sagte dazu, dass er immer wieder zutiefst berührt sei, dass in so furchtbaren Zeiten so wundervolle Worte entstehen konnten. Kurz versuchte er, den Zuhörern einige Zeilen auf Gälisch beizubringen – das eher klägliche Ergebnis machten die Fans mit einem umso enthusiastischen Applaus wieder wett.

Zum Abschluss des hervorragenden Konzerterlebnisses gesellten sich zu „The Eye Of The Tiger“ noch einmal alle Künstler zu Mànran auf die Bühne, um gemeinsam eine kleine Session abzuhalten –, wodurch ein enormer Sound entstand, der nochmalig die Mauern der alten Kirche zum Beben brachte. Mit „Save Home“ als zweite Zugabe fand das Irish Folk Festival nach drei Stunden ein sanftes Ende. „Come as a visitor, leave as a friend“, das Motto des kommenden Jahres, kündigte der Moderator noch an – doch blickte man in die Gesichter der Besucher, so konnte man deutlich sehen, dass sie bereits heute als Freunde den Weg nach Hause angetreten würden.
Eine Fotogalerie zur grandiosen Show findet ihr hier.