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Tobias Dellit – Kümmel

Veröffentlicht am 20. Februar 2019 von Alina

Mit dem Debütalbum ,,Kümmel“ von Tobias Dellit eröffnet sich dem Hörer ein feines, minimalistisches aber dennoch reichhaltiges Werk, welches einen textlichen Seiltanz zwischen Philosophie und Humor vollführt. In 10 Titeln erklingt Dellits ausdrucksstarke Stimme zusammen mit seiner Akustik-Gitarre im Stil des Liedermachers und Blues.

Die Ouvertüre greift in Stichpunkten zusammen mit Gitarrengeschrammel auf, was den Hörer in den folgenden Titeln erwarten wird. Es findet sich Platz für Gesellschaftskritik, Selbstzweifel und Darstellung, Alltäglichkeit und die Frage, was die Zukunft wohl bringen wird. Fein melodiös geht es weiter. Verloren in der Routine, sich selbst so fremd sein, dass die eigene Wahrnehmung verschwimmt. Davon erzähl der Titel ,,Lebwohl Cheyenne‘‘ untermalt von Bluesklängen. Im starken Kontrast dazu steht der nächste Track. ,,Shitake“ ist eine musikgewordene Karikatur der existierenden Ernährungstrends und lässt den humorfähigen Menschen mächtig schmunzeln. So lautet der Refrain ironisch:
,, (…) Glückliche Meere machen glückliches Salz (…)‘‘
Dies erklingt nicht in einem Bluesthema, sondern ein fröhliches Schlagmuster mit kleinen Zupfelementen.

Bereits hier zeigt sich: Dellits Texte sind ziemlich wortgewaltig, gespickt mit Wortspielereien und starken Metaphern. Das lyrische Ich ist herrlich bodenständig und singt Lieder über die Kunst sich selbst im Weg zu stehen, darüber wie entzaubernd Resignation sein kann, das Streben danach etwas Besonderes zu sein und übt sich im Karikieren von Stereotypen. So bewegen sich Dellits Texte am Rande einer sehr scharf gezeichneten Realität, die einen Panoramablick auf den Zynismus genießt. Der Kontrast des Albums ist in seiner Einfachheit sehr schön. Bei Liedern wie ,,Käfige‘‘, ,,Ab und Zu‘‘ oder ,,Blues‘‘ gewinnt der Hörer den Eindruck eines klassischen Liedermachers, mit erzählender Stimme und einem einfachen Zupfmuster zeigt der Musiker eine sehr sanfte Seite. In anderen Titeln hingegen werden in die Saiten geschlagen und die Gesangsstimme wird zu musikalischem Schleifpapier. Eben dieser Kontrast macht das Album sehr abwechslungsreich.

Beim Hören vergisst man schnell, dass auf der gesamten CD nur Gesang und Gitarre zu hören sind.   Die reifen Texte und die ausdrucksstarke Stimme Dellits sorgen für einen vollen Klang, dem nichts fehlt. Kaum vorzustellen, was der Mann mit einer ganzen Band anstellen würde.
Ein Liedermacher mit sehr viel Potenzial und Flexibilität abseits jeglicher Zeilen des Mainstreams.

Ein tadelloses Werk.

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Titelliste:

01. Ouvertüre
02. Lebwohl Cheyenne
03. Shitake
04.Gleichgrau
05. Käftige
06. Unsachliche Romanze
07. Ab und Zu 
08. Blues 
09. Hallo Zukunft 
10. Was bleibt

Dieser Artikel wurde in „Allgemein, Rezension“ mit den Schlagwörtern Blues, Kümmel, Liedermacher, Tobias Dellit von Alina veröffentlicht. Der Autor allein ist für den Inhalt verantwortlich. Lesezeichen setzen.
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